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In der Oberstufe, in den Klassen 9 bis 13, werden Schule und Berufswelt stärker miteinander verknüpft. Durch diese Verknüpfung von theoretischer und lebenspraktischer Bildung wird die Persönlichkeitsbildung der Jugendlichen zusätzlich gefördert. Die Betonung der praktischen Arbeit soll die Schule gleichzeitig stärker zu einer „Lebensschule“ machen.
Praktika
Die Schule sucht die Zusammenarbeit mit Betrieben der verschiedensten Berufsbereiche, damit die Jugendlichen in Handwerksbetrieben, Dienstleistungsunternehmen und sozialen Einrichtungen Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln können. Das Selbsteinschätzungsvermögen der Jugendlichen soll hierdurch gestärkt und das Verständnis für soziale und wirtschaftliche Zusammenhänge vertieft werden.
Kernstück der Oberstufe der Freien Waldorfschule Diez sind vor diesem Hintergrund die Praktika in den einzelnen Jahrgangsstufen, sowie ein handwerklich-künstlerisch orientierter Unterricht.
So werden in der 9. Klasse ein Landwirtschaftspraktikum, ein Handwerkspraktikum, in der 10. Klasse ein großes, achtwöchiges Betriebspraktikum und ein Feldmesspraktikum sowie in der 11. Klasse ein Sozialpraktikum durchgeführt. Begleitend zu den Praktika erhalten die Jugendlichen einen Berufswahl vorbereitenden Unterricht, der auch Berufsinformationstage, Betriebsbesichtigungen und Bewerberschulungen beinhaltet. Begleitend zu dem großen Betriebspraktikum beginnt die Ausrichtung der Schüler auf ihren stattlich anerkannten Schulabschluss. Die Kunstfahrt findet als letztes Praktikum in Klasse 12 statt. Sie ist als besondere Klassenfahrt (z. Zt. nach Griechenland) angelegt: Die Kombination von eigener künstlerischer Arbeit verbunden mit der Besichtigung antiker Bauwerke stellt sicherlich den “krönenden Abschluss” der Schulzeit dar.
Orientierungshalbjahr 10/1
In der der 10. Klasse ist das erste Halbjahr ein Prüfungshalbjahr. Die SchülerInnen werden in Klasse 11 in leistungsdifferenzierte A- und B-Gruppen eingeteilt. Vor dem Hintergrund der Abschlüsse in Klasse 12 und 13 ist eine Einstufung der SchülerInnen auf Realschul- und Gymnasialniveau notwendig, um eine adäquate Beurteilung der schulischen Leistungen zu ermöglichen. In diesem Halbjahr 10/1 werden die schulischen Leistungen in Kernfächern und Nebenfächern erfasst. Für eine Einstufung in die A-Gruppe muss in beiden Bereichen die Durchschnittsleistung im Notenschnitt 2,5 betragen. In Klasse 11 erfolgt dann die Trennung, wobei in einigen Fächern beide Gruppen weiterhin bis einschließlich Klasse 12 im Hauptunterricht gemeinsam unterrichtet werden. Die SchülerInnen der B-Gruppe erhalten ab Klasse 11 keinen Russischunterricht mehr. Beide Gruppen können dann in Klasse 12 die Qualifizierte Berufsreife erwerben. Im Anschluss ist es für die SchülerInnen der B-Gruppe möglich, in Klasse 13 die Fachhochschulreife zu erreichen. Die SchülerInnen der A-Gruppe können darüber hinaus ihre Schulzeit mit der allgemeinen Hochschulreife (Abitur) abschließen.
Waldorfabschluss
Die erworbenen Fähigkeiten dieses besonderen Bildungsganges sollen zukünftig in einem Waldorfabschluss zum Ausdruck kommen. Als Fernziel arbeitet der Bund der Waldorfschulen darauf hin, dass dieser Bildungsgang einen eigenen Schulabschluss in Klasse 12 ermöglicht, der gleichberechtigt neben dem staatlichen Abschluss eine allgemeine, bundesweite Anerkennung und Akzeptanz findet.
Staatlich anerkannte Abschlüsse
Die Freie Waldorfschule Diez bietet die üblichen staatlichen Schulabschlüsse an, ist aber nicht in erster Linie auf diese Abschlüsse ausgerichtet. Das eigenständige Konzept aller Waldorfschulen umfasst 12 Schuljahre und bietet vielseitige Grundlagen für unterschiedliche Berufswege und Spezialisierungen. Entsprechend den Landesverordnungen sind alle oben absolvierten Schulabschlüsse den Abschlüssen der Staatsschulen gleichwertig!
Berufsreife
Es wird zur Zeit noch den Schüler/Innen in der 11. Klasse der Abschluss der Berufsreife ermöglicht. Dieser Schulabschluss wird durch die benotete Jahresleistung ohne zusätzliche Prüfung erworben. Die SchülerInnen werden anstatt in Russisch ergänzend unterrichtet und auf das anstehende Berufsleben vorbereitet. Maßgebend ist die Landesverordnung vom 01.08.1995. Nach erfolgreichem Abschluss können die SchülerInnen die Schule weiter besuchen, um die “Qualifizierte Berufsreife” zu erwerben.
Qualifizierte Berufsreife
Am Ende der 12. Klasse wird den SchülerInnen der Erwerb der Qualifizierten Berufsreife ermöglicht. Auch in diesem Schulabschluss ist die kontinuierliche benotete Jahresleistung relevant. Bei erfolgreicher Absolvierung an der Waldorfschule können die SchülerInnen die 13. Klasse besuchen, um die Fachhochschulreife oder die allgemeine Hochschulreife zu erwerben. Für den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife (Abitur) ist eine Einstufung in die A-Gruppe Voraussetzung (siehe Orientierungshalbjahr 10/1).
Fachhochschulreife und Abitur
Die FWS Diez ermöglicht den SchülerInnen in der 13. Klasse die Fachhochschulreife oder das Abitur zu erwerben. Hierzu werden in vier Fächern schriftliche, in zwei Fächern mündliche Prüfungen durchgeführt. In zwei weiteren Fächern wird die Leistung durch einen Unterrichtsbesuch der Prüfungskommission festgestellt. Einzelheiten regelt die Abiturverordnung für Freie Waldorfschulen vom 21. März 1988. Die Schüler werden im Laufe der 13. Klasse gezielt auf die allgemeine Hochschulreife vorbereitet. Alternativ zur allgemeinen Hochschulreife können die SchülerInnen die Fachhochschulreife erwerben. Einzelheiten sind in der Landesverordnung vom 01.08.2004 geregelt.
Verbunden mit der beschriebenen Ausgestaltung der Oberstufe ist die Hoffnung, dass die Jugendlichen in der Wechselwirkung von Schule und Arbeit charakterlich gestärkt werden und neben allgemeinen Schulabschlüssen ein hohes Maß an innerer Sicherheit mit in ihr zukünftiges Leben nehmen. Auf diese Weise sollen die Jugendlichen für ein Leben gerüstet sein, das durch ständige Veränderungen und gesellschaftlichen Strukturwandel geprägt wird.
Das Große Betriebspraktikum
Neben einem Landwirtschafts-, Handwerks-, Feldmess- und einem Sozialpraktikum ist das Kernstück der Oberstufe der Freien Waldorfschule Diez ein „Großes Betriebspraktikum“. Begleitend zu den Praktika erhalten die Jugendlichen einen Berufswahl vorbereitenden Unterricht als Entscheidungshilfe, der auch Informationstage, Betriebsbesichtigungen und Bewerberschulungen beinhaltet.
Das „Große Betriebspraktikum“ wird im Schuljahr der 10. Klasse durchgeführt und umfasst einen Zeitraum von 8 Wochen. Ein Wechsel des Praktikumsplatzes ist ein Mal möglich. Mitentscheidend für das Erreichen der beabsichtigten positiven Wirkung des Praktikums ist die gute Zusammenarbeit zwischen der Schule und den Betrieben. Diese Zusammenarbeit soll durch Besuche des Praktikumskoordinators und regelmäßigen Kontakten zwischen Schule und Betrieben gewährleistet werden. Die SchülerInnen legen einen Abschlussbericht vor und präsentieren ihre Erfahrungen und Erlebnisse in einem öffentlichen Vortragsabend.
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